Römische Briefe: Eine Kursfahrt in die Ewige Stadt

Autor/in: Theo Chwalisz

Von Briefen an meine Großmutter und den 30 Schichten einer antiken Welt

Die klassische Bildungsreise nach Italien hat eine lange Tradition. Doch statt eines trockenen Protokolls soll dieser Bericht die Erlebnisse unserer Kursfahrt so lebendig widerspiegeln, wie sie waren: als persönliche Entdeckungsreise, festgehalten in täglichen Briefen an meine Großmutter.

Brief I: Die Ankunft und die besten Freunde Roms

Montag (Anreisetag)

Liebe Oma,

ich habe heute bereits Unmenschliches geleistet! Nach dem Aufstehen um 0:30 Uhr morgens in Angermünde und der Fahrt nach Berlin stand mir mein allererster Passagierflug bevor. Und nun bin ich tatsächlich hier: in Rom! Nachdem wir im Hotel unsere Sachen abgegeben hatten, zogen wir sofort los in Richtung Kolosseum. Hier teilte sich unsere Gruppe auf. Während die einen sich ausruhten, zog es mich mit der anderen Hälfte weiter zum berühmten Schlüsselloch der Malteserritter auf dem Aventin-Hügel. Wenn man dort hindurchschaut, Oma, sieht man eine perfekt zugeschnittene Allee, an deren Ende die gewaltige Kuppel des Vatikans thront – ein magischer erster Anblick. Auf dem Rückweg lauschten wir in einem Park einem Straßenmusiker, blickten von einer Aussichtsterrasse über die Dächer der Stadt und stellten fest: Es ist heiß. Meine neuen besten Freunde sind die unzähligen Trinkwasserbrunnen überall in der Stadt. Und natürlich das Eis! Der Kurs hat nach einer ersten Testrunde Mango einstimmig zum Favoriten gewählt. Viel habe ich gesehen, aber noch mehr erwartet mich.

Ich drücke dich, dein Enkel.

Brief II: Von Kaisern, Kapern und Katzen

Dienstag

Gute Nacht, meine liebe Oma,

abermals neigt sich ein Tag dem Ende, und meine Füße brennen, denn die römischen Straßen sind durch ihre „kreative“ Bauweise wahrlich schwer zu begehen. Unser Tag begann um 8:00 Uhr mit einem echten italienischen Frühstück (süßes Obst und Brötchen mit Marmelade), bevor wir zu einer Führung mit einer gebürtigen Deutschen aufbrachen, die seit 40 Jahren hier lebt. Sie führte uns über die Hügel zu den alten Kaiserpalästen und dem Forum Romanum. Weißt du, wie Archäologen diese uralten Bauten datieren? Die Kaiser hatten die Angewohnheit, ihren Namen und das Datum in die Ziegelsteine zu stempeln! Unsere Führerin erklärte uns, dass wir hier buchstäblich auf 30 Schichten übereinander gebauter Häuser stehen. Auf dem Weg habe ich außerdem gelernt, dass fast alle Pflanzen, die hier aus den antiken Rissen der Mauern wachsen, Kapernsträucher sind! Im Kolosseum zeigte sie uns die gewaltige Ruine – mein persönliches Highlight war die humorvolle Geschichte über die „Katzenklappe für Cäsaria und Augusta“. Nach einer Mittagspause am Pantheon und Mitschülervorträgen dort sowie an der Engelsburg, zog es uns zum Vatikan. Die gewaltige Pracht dieser Gebäude lässt sich kaum in Worte fassen. Zum Abschluss sahen wir noch die Wachablösung der Schweizer Garde, bevor es zurückging. Und ich kann dir bestätigen, Oma: Ich habe auf die Mauern geachtet – überall wachsen wirklich Kapern!

Brief III: Der Untergang der Welt und der trockenste

Kuchen der Antike

Mittwoch

Hallo meine liebe Oma,

heute war es wieder unglaublich spannend. Nach dem Frühstück fuhren wir zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Als die Lehrerinnen uns hineinließen, war ich wie erschlagen von der Pracht. Weil kaum Besucher da waren, wirkte sie fast größer als der Petersdom. Unsere Lehrerinnen erzählten uns dort von der Legende der Papstmedaillons an den Wänden: Wenn der letzte freie Platz für das Bildnis eines neuen Papstes voll ist, gibt es keinen Papst mehr und das Ende der Welt ist nahe! Noch bin ich ganz überfordert von dieser immensen Größe. Danach ging es nach Ostia Antica, wo ich meinen eigenen Vortrag über die ehemalige Hafenstadt halten durfte. Diese Ruinenstadt war für mich das Beeindruckendste bisher. Sie ist noch völlig ohne christlichen influence den alten Göttern geweiht. Es war ein echtes Abenteuer, durch die alten Seitenstraßen zu streunen und verborgene Winkel zu entdecken. In den Ferien werde ich dazu definitiv einen Podcast aufnehmen! Nur das Museumscafé war tückisch: Ich habe dort den trockensten Kuchen meines Lebens gegessen – der war bestimmt noch aus den antiken Ruinen selbst gebacken. Später fuhren wir ans Mittelmeer. Statt an den vollen Strand bin ich mit einem Mitschüler in die angrenzende Stadt geflohen, wo wir das beste Meloneneis gegessen haben, das man sich vorstellen kann. Abends ging es in ein Restaurant namens „La Famiglia“ – was ja ein bisschen nach Mafia klingt. Ich habe blind ein Gericht bestellt, von dem ich nur wusste, dass es Lamm ist. Es schmeckte herausragend!

Brief IV: Eine Mutprobe in der Unterwelt

Donnerstag

Schönen Abend, Oma,

heute war unser letzter ganzer Tag in Rom. Am Morgen scherzte unsere Lehrerin noch, sie habe in Rom noch nie schlechtes Wetter erlebt – prompt fing es an zu regnen und wurde kühl. Aber das war nichts gegen die Kälte, die uns in den Katakomben erwartete. Wir hatten denselben Führer, von dem schon alle älteren Jahrgänge geschwärmt hatten. Er war genial! Es ist unmöglich, die Katakomben in Worte zu fassen: tief, beeindruckend und beängstigend zugleich. Der Führer hat mich und zwei andere Jungs sogar alleine durch die dunklen Gänge vorausgeschickt, um die Lehrer und die Mädchen auf der anderen Seite wiederzutreffen. Er hat mir den Weg erklärt und es war ein echtes Abenteuer! Wieder im Tageslicht, ging es über den Piazza del Popolo und die teuren Viertel zur Spanischen Treppe. Ehrlich gesagt, Oma: Es ist ein bisschen enttäuschend, dass dieses weltberühmte Touristenziel einfach nur eine ganz normale Treppe vor der spanischen Botschaft ist. Nach dem Trevi-Brunnen hatten wir Freizeit. Abseits der Touristenströme habe ich mit Freunden einverstecktes Restaurant entdeckt und dort meine allererste, echte römische Spaghetti Carbonara gegessen. Fantastisch! Den Abend ließen wir mit einem weiteren kulinarischen „Blind-Experiment“ und einem wunderschönen Spaziergang durch das nächtliche, beleuchtete Rom ausklingen.

Brief V: Der süße Abschied

Freitag (Abreisetag)

Liebe Oma,

nun sitze ich wieder in der Heimat und denke an unseren letzten Tag zurück. Am Freitagmorgen startete ich standesgemäß mit einem echten italienischen Frühstück: einem Stück Kuchen und einer Schüssel Obst. Danach besichtigten wir zu viert mit einer Lehrerin die wunderschöne Basilika Santa Maria Maggiore. Das war ein ganz besonderer und feierlicher Moment, denn dort wird einmal Papst Franziskus seine letzte Ruhestätte finden – er hat sich diesen Ort wegen seiner tiefen Verbundenheit zur Muttergottes selbst ausgesucht. Vor der Abreise hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Wir holten uns ein letztes italienisches Eis, liefen noch einmal zum Kolosseum und sagten der Ewigen Stadt leise „Arrivederci“. Am Flughafen vertrieben wir uns die Zeit, bis am späten Abend unser Flug abhob. Gegen 23:00 Uhr bin ich dann endlich wieder zu Hause angekommen und einfach nur noch todmüde, aber glücklich ins Bett gefallen. Ich besuche dich ganz bald, Oma, und dann zeige ich dir all die Fotos!

Hab dich lieb!